Afghanistan: Der Terror hat gesiegt

Afghanistan: Der Terror hat gesiegt
Bundeswehrsoldaten evakuieren Menschen aus Afghanistan | Bild: Bundeswehr/Marc Tessensohn

von Dan Ioffe


Was ist los in Afghanistan?

In diesem Jahr sind die Truppen der NATO nach 20 Jahren in Afghanistan abgezogen. Die bekämpfte islamistische Terrororganisation Taliban hat innerhalb von Wochen nahezu das gesamte Gebiet erobert – die ausgebildete afghanische Armee leistete kaum Widerstand. Teilweise kapitulierte sie und überließ den Terroristen hochwertige Waffen und Fahrzeuge. Nun hat sie die Hauptstadt Kabul eingenommen und die Macht an sich gezogen. Der Präsident ist geflohen, die Islamisten kontrollieren das Land.

Die Taliban jagen jetzt tausende Ortskräfte die u.a. der Bundeswehr geholfen haben. Sie haben etwa als Übersetzer oder als Fahrer gearbeitet. Westliche Länder wie Deutschland wollen die Ortskräfte und ihre Diplomaten evakuieren, für viele Einheimische kommen sie zu spät. Stand 23.08. haben deutsche Truppen mehr als 2.300 Menschen aus Afghanistan evakuiert.

Wenn Menschen auf engstem Raum in Panik geraten, geschehen schreckliche Dinge – alles, was man sich bildlich vorstellen kann

Jens Arlt, Brigadegeneral der Bundeswehr,
über die Lage am Flughafen Kabul

Politische Krise

Feldjäger und Soldaten eines Air Mobile Protection Teams gewähren Sicherheit an Board des Airbus A400M
Foto: Bundeswehr/Marc Tessensohn

Dramatische Szenen spielen sich am Kabuler Flughafen ab, der zivile Teil gesperrt, nur noch Militärjets fliegen. Hunderte Afghanen wollen vor dem Terror fliehen, einige halten sich an Flugzeugen fest, sie fallen in den Tod. An den Mauern reichen verzweifelte Eltern ihre Babys über Stacheldraht in die Hände von westlichen Soldaten. Für die USA und die NATO ist der Abzug längst zu ihrer größten Krise geworden. Der schwerwiegende Vorwurf: Man habe die Ortskräfte im Stich gelassen, von Verrat an den Afghanen ist die Rede. Man habe es gewusst und wenn nicht, habe man es wissen müssen.

Soldaten der Vereinigten Staaten nehmen ein Baby über eine Mauer zum Flughafen Kabul
Foto: Screenshot

Die Stimmen aus der Politik

Annegret-Kramp Karrenbauer, Foto: DBT / Simone M. Neumann

Nur wenige Wochen vor der Bundestagswahl ist das Thema Afghanistan Zündstoff. Das desaströse Ende des unbeliebten Einsatzes will niemand verschuldet haben. Die Opposition wirft der Regierung schweres Versagen vor, diese gesteht zumindest teilweise Fehler ein. Schnell stand der Begriff Rücktritt im Raum, die Opposition will in der nächsten Legislatur einen Untersuchungsausschuss durchsetzen.

Wenn diese Mission zu Ende ist, dann werde ich für mich selbst sehr genau überlegen, welche Verantwortung ich getragen habe (…) und welche Schlüsse ich persönlich daraus ziehen muss.

Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesministerin der Verteidigung

(Der Afghanistan Einsatz) ist nicht so geglückt und nicht so geschafft worden, wie wir uns das vorgenommen haben. (Das ist eine) überaus bittere Entwicklung

Angela Merkel, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland

Der Bundesaußenminister, die Verteidigungsministerin und der Bundesinnenminister haben da auf ganzer Linie versagt

Alexander Graf Lambsdorff, FDP

In den Vereinigten Staaten steht US-Präsident Joe Biden für sein Krisenmanagement stark in der Kritik. Während Ex-Präsident Trump seinen Rücktritt „in Schande“ fordert fallen Bidens Umfragewerte. Dem Demokraten ist die Lage in Afghanistan komplett entglitten, die Bilder aus Kabul erinnern an das Kriegstrauma der USA, Vietnam.

Dan Ioffe

Chefredakteur der KalkuhlSZ

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