Corona und der Stolz der Länder

Corona und der Stolz der Länder
Sitzungssaal im Bundeskanzleramt (Symbolbild)

Die Zahlen steigen

Freitag, der 23.10.2020.: Morgens gegen 8:00 meldet das zuständige Robert Koch-Institut wie üblich die aktuellen Fallzahlen.

In den letzten 24h gab es ein Plus von 11.242 Neuinfektionen, so der Bericht. Damit bleibt die Zahl zum Vortag nahezu gleich. Trotzdem sind die Infektionszahlen dramatisch hoch, die Zahl vom Donnerstag war ein absoluter Rekord, seit Beginn der Pandemie in der Bundesrepublik.

Warnungen über Warnungen

Bei der Pressekonferenz des RKI, sagte deren Präsident Lothar Wieler:

Die Situation ist sehr ernst.

Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte noch im September vor mehr als 19.000 Neuinfektionen an Weihnachten. Zu dem Zeitpunkt wurde sie belächelt, schier unmöglich schien dies bei einer noch entspannteren Lage.

Nun haben wir noch nicht Weihnachten, Merkels Einschätzung von 19.200 Neuinfektionen könnte aber schon bald erreicht werden, sollte es so weiter gehen.

Am Freitag warnte auch der Vorsitzende des Weltärztebundes in der „Rheinischen Post“ vor mehr als 20.000 Neuinfektionen:

[Bei mehr als 20.000 Neuinfektionen] wäre es für Gesundheitsämter nicht mehr möglich, die Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen. Dann droht uns ein zweiter Lockdown, weil sich das Virus anders nicht mehr bremsen lässt.

Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzende des Weltärztebundes

Liest man regelmäßig Nachrichten, kann man „Warnung“ bald nicht mehr hören. Nun könnte man meinen, bei so vielen Warnungen hätte die Politik die Lage unter Kontrolle.

Wir sind nicht machtlos. Derzeit haben wir noch die Chance, die weitere Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts

Voraussetzung dafür sei aber, dass sich die Menschen an die geltenden Regeln halten. Auch die Regeln müssten dafür einheitlicher sein.

Ein Flickenteppich

Zurzeit gelten in Deutschland keine einheitlichen Regeln, diese werden nämlich von den einzelnen Bundesländern gemacht. Trotzdem trifft man sich im Bundeskanzleramt, um einen Flickenteppich an geltenden Verordnungen zu vermeiden. Gelungen ist dies bisher nicht.

Während in NRW wieder in allen weiterführenden Schulen, auch im Unterricht eine Maskenplicht gilt, lockert Baden-Württemberg und schafft sie auf dem Schulhof ab. Einheitliche Regelungen sind was anderes. Zwar hat man sich auf einige Sachen geeinigt, doch auch die Bundeskanzlerin schien nach dem „Corona Gipfel“ unzufrieden.

„Es reicht einfach nicht, was wir hier machen.“ Jedes Land suche ein kleines Schlupfloch. „Das ist das, was mich bekümmert. Und die Liste der Gesundheitsämter, die es nicht schaffen, wird immer länger“, soll Merkel gesagt haben.

Zweiter Lockdown?

Geht es so weiter, ist ein zweiter Lockdown nicht unwahrscheinlich. Für die Wirtschaft wäre das schrecklich, auch ob die Schulen eventuelle Schließungen aushalten könnten ist fraglich, bereits die Schließungen im Frühjahr hatten Probleme bereitet.

Sollten aber die Länder nicht ihren eigenen Stolz überwinden und einheitliche Regeln schaffen, rasen wir in Richtung eines zweiten Lockdowns, mit womöglich fatalen Folgen.

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Dan Ioffe

Chefredakteur der Schülerzeitung am EKG. Leiter Ressort Social Media / Politik und Nachrichten.

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