Schule und Depressionen

Schule und Depressionen
Depressionen (Symbolbild)

Ein Beitrag von Dan Ioffe und Paula Becker

Hinweis

Dieser Beitrag handelt von psychischen Erkrankungen.

Jedes vierte Schulkind leidet unter psychischen Problemen  – dass sagt eine DAK-Studie. Das wusstest du nicht? Vermutlich ist das so, denn im Gegensatz zu körperlichen Krankheiten sind psychische Erkrankungen wie Depressionen nicht sichtbar. Häufig kann man sich gar nicht vorstellen, dass ein Mitschüler daran leidet.

Depressionen erkennen

Doch die Zahl der diagnostizierten Depressionen und Angststörungen steigt drastisch an, die Dunkelziffer dürfte viel höher als die bekannten Fälle sein. Durch die Corona-Pandemie hat sich die Situation verschlechtert. Typische Gründe für Depressionen bei Schüler: innen sind familiäre Probleme, Überforderung und Versagen in der Schule und häufig auch Mobbing. Häufige Symptome sind anhaltende Traurigkeit, kaum Selbstvertrauen, Freudlosigkeit, Konzentrationsprobleme, Schlaflosigkeit, sozialer Rückzug und nicht selten: Selbstmordgedanken.

Das Problem

Trotzdem werden psychische Probleme oft nicht ernst genommen, die Tatsache das dies ernste Krankheiten sind, ist bei vielen noch nicht angekommen. Psychiater fordern deswegen eine höhere Alarmbereitschaft, bei Lehrern und Eltern. Schulen sollen präventive Programme durchführen, Lehrer auf Warnsignale achten, empfiehlt das Gesundheitsprogramm MindMatters.

Dies sei auch im Interesse der Schule, denn die psychische Gesundheit der Schüler: innen wirkt sich sehr stark auf die schulischen Leistungen aus, schreibt Prof. Dr. Peter Paulus. Dies werde von Lehrern immer noch stark unterschätzt. Eine Studie sieht auch das öffentliche Stigma von psychischen Erkrankungen als großes Problem, mit teils schweren Folgen für die Betroffenen, wie soziale Ausgrenzung und Diskriminierung.

Hilfe am EKG

Am EKG gibt es seit dem zweiten Halbjahr 19/20 eine externe Beraterin, sowie seit diesem Schuljahr 3 Beratungslehrerinen. Eine davon ist Frau Willcke. Wir haben mit ihr über psychische Probleme der Schüler: innen gesprochen, was hilft und wie die Schule damit umgeht.

Wie können die Beratungslehrerinnen den Schüler: innen helfen?

Die Beratungslehrerinnen sind für Probleme jeglicher Art da. Und da gibt es zwei Möglichkeiten: Eine Möglichkeit ist, dass die Schüler auch von einem Lehrer geschickt werden, dass ein Lehrer sagt, das klappt nicht so gut in der Klasse, da gibt es Probleme mit einem Schüler, geh du doch einfach mal zur Beratung. Das wäre die eine Möglichkeit. Die andere, die auch viel besser ist und auch das, was wir uns wünschen, ist,  dass Schüler freiwillig zu uns kommen und sagen ich habe da einfach Probleme, mit Mitschülern, mit Eltern, mit Lehren und mit dem Leben ganz allgemein, und ich möchte da einfach mit jemandem sprechen, mit dem ich gemeinsam nach Lösungen suchen kann. Selbstverständlich wird alles, was dort besprochen wird, vertraulich behandelt.

 Als Beratungslehrerinnen sind wir aber nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Kollegen da. Wenn ein Kollege sagt, ich hab da so ein Problem in der Klasse oder ich spüre da ein Problem, dann sprechen wir auch gerne mit ihm und überlegen gemeinsam, wie man die Situation verbessern kann und wo man sich eventuell auch außerschulisch Hilfe holen kann.

Wie oft wurde das Angebot bisher wahrgenommen?

Das ist so, dass wir ganz am Anfang unserer Beratungsarbeit stehen. Frau Gasenzer hat die Ausbildung zur Beratungslehrerin schon abgeschlossen; Frau Olligschläger, Frau Klöcker und ich sind gerade dabei. Zusätzlich gibt es auch die Möglichkeit, ein Gespräch mit einer professionellen Beraterin zu vereinbaren. Frau Andrea Lampe ist systemische Beraterin und bietet für Schüler kostenlose Termine an. Dieses Angebot ist tatsächlich schon mehrmals, auch von Kollegen, wahrgenommen worden.

In allen Klassenräumen hängt ein Info-Blatt mit unseren Kalkuhl-Mail-Adressen und einem QR-Code, über den man direkt auf eine doodle-Liste der Termine von Frau Lampe gelangt.

Denken Sie, dass psychische Probleme ein großes Problem an Schulen sind?

Ja, das glaube ich schon und nicht nur an Schulen. Psychische Probleme sind einfach allgegenwärtig und aus meiner ganz persönlichen Erfahrung glaube ich, dass das Leben, die Welt, einfach viel komplexer geworden sind.  Alleine was die Sozialen Medien mit unseren jungen Menschen machen, man muss immer online sein, immer aktiv sein, immer präsent sein auf Instagram, auf YouTube, auf Facebook, ich weiß nicht, was es da alles gibt. Jeder ist ständig im Kontakt mit anderen Menschen und da werden auch hohe Ansprüche gestellt. Ich glaube, da kommt auch nicht jeder mit klar. Das gleiche trifft ja auch die Eltern und ich glaube da gibt es überall psychische Probleme, wo man helfen kann, und helfen muss.

Wie könnten Schulen und Lehrern den Schüler: innen helfen?

Einmal ist es ganz wichtig, dass man auf einander achtet, dass man miteinander versucht,  gewisse Werte an der Schule hochzuhalten, dass man höflich und freundlich ist, aber auch dass man versucht möglichst offen zu sein, dass man aber auch die Ansprüche nicht zu hoch stellt, dass man immer den Menschen sieht, und nicht nur den Schüler oder den Lehrer und dass man im Notfall dann auch den Unterricht, den Lehrstoff zurückstellt, wenn man das Gefühl hat, dass es dem Menschen da wirklich sehr schlecht geht. Deswegen hoffe ich, dass wir als Beratungslehrer neben den Klassen- und Stufenlehrern, die es ja immer schon für Gespräche gegeben hat, dass wir da noch zusätzlich helfen können.

Psychiater beklagen, dass Lehrer die psychischen Probleme der Schüler: innen oft nicht ernst nehmen, denken Sie, dass das ein Problem ist?

Das ist ganz bestimmt ein Problem, was aber natürlich auch ein großes Problem ist, ist, dass der Druck auf uns Lehrer auch sehr groß ist, wir müssen ein Curriculum an bestimmten Unterrichtsinhalten erfüllen, wir müssen jede Menge Bürokram, formalen Kram drumherum machen und da kommt bestimmt das Gespräch mit dem einzelnen, das genaue Hinschauen etwas zu kurz, ja das ist bestimmt so.

Oft sind Ursachen von psychischen Erkrankungen an Schulen zu finden, wie Mobbing oder Schulstress. Wie könnten Lehrer und Schule da helfen?

Bei Mobbing ist es, denke ich,  ganz wichtig, dass man erstmal überhaupt den Kontakt zum Mobbingopfer und auch zu den Mobbern bekommt, dass man die vielleicht sogar an einen Tisch bekommt und dass man sich gegenseitig klar macht, wie fühlt eigentlich die andere Seite? Vielleicht kann man so das Mobben schon aus der Welt räumen, wo sich dann alle besser fühlen. Schulstress, da sind die Klassenlehrer gefragt, dass da vielleicht Angebote wie Nachhilfe in Anspruch genommen werden können, aber manchmal hilft es da auch einfach darüber zu sprechen.

Brauchst du Hilfe? Möchtest du mit jemandem darüber reden? Hier gibt es wichtige Angebote der Telefonseelsorge: Per Telefon 0800 / 111 0 111 , 0800 / 111 0 222 oder 116 123
oder per Mail und Chat unter online.telefonseelsorge.de

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Dan Ioffe

Chefredakteur der Schülerzeitung am EKG. Leiter Ressort Social Media / Politik und Nachrichten.

2 Gedanken zu “Schule und Depressionen

  1. Ein toller Beitrag, besonders die Stellen mit den Studien. Hohes Niveau für eine Schülerzeitung. Klasse!

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