»Aber ich glaube, das kommt nicht« Herr Drescher über ihn, seine Amtszeit und den Ruhestand.

»Aber ich glaube, das kommt nicht« Herr Drescher über ihn, seine Amtszeit und den Ruhestand.
Herr Dr. Ulrich Drescher im Interview

Von Johanna Berkner und Ellen Siewert

Kalkuhl. Seit 2008 ist Herr Dr. Drescher Schulleiter am Ernst-Kalkuhl Gymnasium. Zum nächsten Schuljahr geht er in den wohlverdienten Ruhestand. Wir haben mit ihm darüber gesprochen.

Was unterscheidet das Kalkuhl von anderen Schulen?
Dr. Drescher: Das wichtigste ist die familiäre Atmosphäre und die Einzigartigkeit, dass wir eine Internatsschule sind, also eine Schule mit ganz vielen unterschiedlichen Schülern. Die internationalen Schüler der Oberstufe finde ich dabei besonders wichtig, denn sie bringen ein ganz bestimmtes Klima
an unsere Schule. Und natürlich, dass wir ein ganz tolles Kollegium haben, die Lehrer*innen kümmern sich sehr um die Schülerinnen und Schüler, wodurch wir einen ganz besonderen individuellen Kontakt haben, der uns in Zeiten wie Corona zusammengehalten hat.
Warum wollten sie Schulleiter des EKGs werden?
Dr. Drescher: Gute Frage: Ich komme ja eigentlich vom Päda in Godesberg, dort habe ich 1990 als Lehrer angefangen. Das ist auch eine familiär geführte Schule, das heißt die Familie Kühne hat das Päda zu einer ähnlichen Zeit gegründet, wie das Ernst-Kalkuhl-Gymnasium von Ernst Kalkuhl gegründet wurde. Ja und dann hat sich das so ergeben, dass die Stelle des Schulleiters vor 11 Jahren frei wurde und dann habe ich mich gefragt, kannst du das? Ja, kannst du. Machst du das? Ja machst du. Und dann habe ich mich hier beworben und wurde dann Schulleiter.
Wenn sie nicht Schulleiter oder Lehrer geworden waren, was dann?
Dr. Drescher: Also während meiner Studienzeit wollte ich eigentlich in einen Verlag gehen oder Journalist werden, zwischendurch hatte ich sogar die Idee Pfarrer zu werden, das habe ich allerdings wieder verworfen. Ich habe dann evangelische Religion studiert aber mit dem Pfarramt bin ich nicht so warm geworden. Aber Journalismus habe ich auch während meiner Studentenzeit gemacht, das
hat mir sehr, sehr viel Spaß gemacht.
Welche Eigenschaften braucht ein guter Schulleiter?
Dr. Drescher: Ich glaube erst mal einen guten Überblick, über das was passiert in der Schule und ringsherum, dann ein gutes Verhältnis zu den Schülern, den Eltern und natürlich zum Kollegium und hier und da auch Geduld und Langmut, um das ein oder andere, das einem nicht so gut gefällt auch mit viel Geduld zu ertragen.
Was haben sie am meisten vermisst in den letzten Monaten?
Dr. Drescher: Euch! Ganz einfach. Ich fand den Distanzunterricht sehr anstrengend und ich erinnere mich noch an den 13. März [2020], da hat mein Deutschleistungskurs seine letzte Klausur geschrieben und am 16. gingen wir dann in den Lockdown. Mir fehlt das schon sehr. Dieses Persönliche, Vertraute fehlt mir sehr.
Was war das Lustigste, was ihnen in ihrer Karriere am Kalkuhl passiert ist?
Dr. Drescher: Es gab vieles… Ich erinnere mich an einen Abi-Gag. Eigentlich begann der Abi-Gag erst einen Tag später, doch schon am vorigen Tag kamen alle Abiturienten in Anzug und Kleid, was ich
natürlich schön fand, und einem Schild, DAS IST KEIN KOSTÜM. Und es hat mir natürlich Spaß gemacht als Dr. Dre den Rap zu rappen.
Wenn sie sich einen Wunsch erfüllen konnten, welcher wäre das?
Dr. Drescher: Ich wünsche mir, dass es einmal klick macht und es einmal nochmal für die letzten Wochen alles so ist wie vorher. Dass wir normalen Unterricht haben, einfach eine schöne Zeit zum Verabschieden. Aber ich glaube, das kommt nicht.
Welches Ziel haben sie in Ihrer Zeit erreicht?
Dr. Drescher: Ich habe einige Ziele erreicht. Einige Sachen mussten wir machen, zum Beispiel einmal auf G8 gehen, dann wieder zu G9 gehen und man kann sich vorstellen mit welchen Schwierigkeiten das verbunden ist. Dann habe ich alles dafür getan, dass das Internat gut läuft und, dass dort alles funktioniert. Alles Kleinigkeiten, nichts Großes aber alles in allem trotzdem wichtig.
Was war für Sie das Schönste am Kalkuhl?
Dr. Drescher: Das Schönste für mich war es eigentlich morgens auf den Schulhof zu kommen und fröhliche Gesichter zu sehen. Ihr, die gerne in die Schule geht. Und, dass man sich morgens schon auf den Schultag mit euch allen freut.
Worauf freuen sie sich am meisten im Ruhestand?
Dr. Drescher: Ich freue mich darauf, bestimmte Sachen, die was mit Corona zu tun haben, nicht mehr machen zu müssen. Ich freue mich mehr Zeit für meine Hobbys zu haben. Ich male ja sehr gerne. Ich möchte auch gerne mehr Zeit mit meinen Enkeln verbringen und ich denke, das Ganze wird mich schon sehr ausfüllen.
Was möchten sie dem neuen Schulleiter mitgeben?
Dr. Drescher: Also wir haben ja auch schön zusammengearbeitet und ich denke ich kann ihm mitgeben, dass er mit viel Zuversicht, Zutrauen und Unterstützung von Seiten des Kollegiums rechnen kann und er hat auch das Vertrauen zum Kollegium und jetzt wünsche ich ihm, dass das als gute Voraussetzung funktioniert und, dass er mit viel Fantasie die Schule weiterführen kann.
Gibt es etwas das sie noch hätten erreichen wollen?
Dr. Drescher: Ich hätte gerne noch den Musikraum verschönert, weil unsere Schule ja auch kreativ arbeitet und wir haben ja schon einen super Kunstraum aber den Musikraum um zu bauen, hätte auch wieder viel mit Zeit und Geld zu tun.
Gibt es etwas, das sie unseren Lesern noch mitteilen wollen?
Dr. Drescher: Ja, also euren Leserinnen und Lesern wünsche ich, dass sie nicht vergessen, dass wir eine starke familiäre Gemeinschaft sind und wenn Probleme aufkommen, dass man diese als Gemeinschaft klären kann. Ich finde diese Atmosphäre besonders und wünsche jedem Schüler, dass er oder sie davon profitieren kann.

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