Russland zieht Truppen aus Cherson zurück

Russland zieht Truppen aus Cherson zurück
Die Stadt Cherson flussaufwärts gesehen

Während die ukrainische Armee immer weiter vordringt, will Russland seine Truppen aus Cherson zurückziehen. Die Soldaten sollen stattdessen das Ostufer des Dnipr halten.

Seit Beginn der Invasion war Russland auch bis zur Region Cherson im Süden der Ukraine vorgedrungen und hat diese unter eigene Verwaltung gestellt. Die Oblast Cherson war auch unter den im September illegal annektierten Gebieten. Durch die Region verläuft der Fluss Dnipr, westlich davon liegt unter anderem die strategisch wichtige und gleichnamige Stadt Cherson. Genau aus diesen Gebieten westlich des Flusses will sich Russland zurückziehen, kündigte das Verteidigungsministerium in Moskau am Mittwoch an.

Es bestehe die Gefahr einer Überschwemmung auf das Westufer, womit eine Einkesselung der russischen Truppen einhergehen würde. Man müsse seine eigenen Leute schützen und könne die Stadt nicht mehr versorgen, so die russischen Behörden. Zuletzt hatten die Besatzer von heftigen Kämpfen mit der ukrainischen Gegenoffensive berichtet. Der Vizechef der russischen Besatzungsbehörden in Cherson Kirill Stremoussow war kurz vor dem angekündigten Rückzug getötet worden, nach offiziellen Angaben bei einem Autounfall. Der Abzug war lange erwartet, von offizieller russischer Seite aber immer zurückwiesen worden.

Die russischen Streitkräfte sollen nun das Ostufer des Dnipr halten, erklärte Sergej Surowikin, Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte in der Ukraine.

Die Ukraine selbst reagierte vorsichtig auf die Ankündigung der Besatzer. Präsidentenberater Mychailo Podoljak sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es sei zu früh von einem Abzug zu sprechen. Die Ankündigungen und die Realität seien teilweise sehr unterschiedlich. Man wolle effektive Gegenangriffe fortsetzen.

Ukraine spricht von „Deportation“

Nach russischen Angaben hätten bislang rund 115.000 Menschen die Region bereits verlassen. Zehntausende waren von russischen Kräften aus der Stadt Cherson unter anderem nach Russland gebracht worden, dessen Behörden von einer Evakuierung sprachen. Die Ukraine warf Russland hingegen Deportation und Verschleppung vor, „mit dem Ziel, die ethnische und demografische Zusammensetzung der Gebiete zu verändern“, so Podoljak. Unter den Verschleppten waren auch Berichten zufolge auch Kinder. Russische Nachrichtenagenturen schrieben von etwa fünf Millionen Menschen die nach Russland „geflohen“ seien.

Die Stadt Cherson ist für beide Seiten von hoher Bedeutung und die erste Regionalhauptstadt, die Teil der ukrainischen Gegenoffensive ist.

Quellen: ZDF, Reuters, BBC, eigene Recherche | Bildquelle: Die Stadt Cherson flussaufwärts gesehen

Redaktion

Redaktion der KalkuhlSZ

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