Unsichtbar.

Unsichtbar.

In diesen Tagen geht die Amtszeit der SV zu Ende. Man dürfte zufrieden sein im SV-Raum. Immerhin hat man so einiges gemacht: Karnevalsaktion, Corona-Gedankenaktion, im Distanzunterricht unter anderem die Änderung der Gruppeneinteilung durchgesetzt und auf den letzten Metern auch noch auf die Umweltkrise aufmerksam gemacht. Zwischendurch gab es Kritik wie an der Schließung des Lädchens, aber das wird die Schülersprecher wohl kaum stören. Dauerthemen wie die nicht existenten Mittelstufenpartys, die verdreckten Toiletten oder die Baracken konnten mit Verweis auf die Pandemie verschoben werden.

Trotzdem, die Bilanz kann sich sehen lassen. Wer jetzt aber auf dem Schulhof Schüler befragen würde, was die SV so gemacht hat, der würde zum Großteil wohl keine Antwort erhalten. Im Gegensatz zu manch anderer Besetzung des Gremiums hat die scheidende Schülervertretung kein Problem mit Untätigkeit, sondern eines mit ihrer Kommunikation.

Fehlerhafte Öffentlichkeitsarbeit

Da dürfte wohl einiges falsch gelaufen sein, wenn sogar nur ein Bruchteil der Klassensprecher zu einer digitalen SV-Sitzung erscheinen[1]. Was genau? Nun das ist nicht nur eine Sache. Zum einen dürfte das schlechte Image der Schülervertretung am Kalkuhl in den letzten Jahren eine Rolle gespielt haben. So galt die SV jahrelang als untätig, 2019 gipfelte es sogar darin, dass es keine Gegenkandidaten zum damals amtierenden Team gab. Und auch die darauffolgende zweijährige Amtszeit, mit der viele Schüler unzufrieden waren, dürfte erheblich zur Wahl der jetzigen noch-SV beigetragen haben.

Zum anderen dürfte das die mangelnde Präsenz der Schülervertretung sein, ob in den sozialen Medien oder in der Schule. Ein Plakat hinter dem Kiosk ist eben ein schlechtes Medium. Die SV hat es versäumt den Kern ihres schlichten Wahlprogramms umzusetzen: Kommunikation, Umfragen und Livestreams auf Instagram. Klar, besonders in den letzten Wochen gab es eine deutliche Verbesserung. Aber wirklich Reichweite aufbauen, die SV sichtbar und präsent machen, das schaffte man nicht.

Wenig Beteiligung

Das Ergebnis: Die Aktionen der SV wie die Karnevalsaktion – die aufgrund der Krise fast nur digital stattfanden – erfuhren nur wenig Aufmerksamkeit. Sehr schade für ein Gremium das mit Sicherheit viel Arbeit und Energie in ihre Projekte gesteckt hat. So wurde das ehrenamtliche Engagement aber bei der Zielgruppe kaum beachtet.

Politik gemacht

Eine Regenbogenflagge hängt in Köln

Zugutehalten muss man der SV das Einsetzen für politische Postionen. So setzte man sich in der Coronakrise für Lernräume ein, im Juni für Diversität und kritisierte Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban, der ein als „als homophob und menschenverachtend“ kritisiertes Gesetz gegen Aufklärung über Homosexualität verabschieden ließ. Und erstmals seit langem lässt sich damit ein wichtiger Bestandteil der SV-Arbeit erblicken: politische Arbeit.

Unsichtbar.

Die SV hat inhaltlich einiges erreicht und ist doch unglücklich unsichtbar geblieben. Wie sie in Erinnerung bleibt – sofern das hier jemand irgendwie mitschreibt – wird stark von ihren Nachfolgern abhängen und wie diese die Arbeit verwenden. Denn das amtierende Team tritt nicht noch einmal an. So hofft man, dass sich viele Schülerinnen und Schüler für dieses wichtige Amt bewerben und selbst an der Schülervertretung mitarbeiten.

Quellen: [1] Eigenrecherche • Kommentar • Autorisiert

Dan Ioffe

Chefredakteur der Schülerzeitung am EKG. Leiter Ressort Social Media / Politik und Nachrichten.

2 Gedanken zu “Unsichtbar.

  1. guter Kommentar! ein interview mit der sv fände ich auch nicht schlecht, was sie denn über sich selbst denken. Dass die PR Arbeit ausbaufähig ist, scheint auch bei anderen SVs so zu sein. Ich glaube das ist eher so ein Branchen problem.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.